Der Pilgerort Mont-Saint-Michel

Mont Saint Michel
Die Gemeinde Le Mont-Saint-Michel hat weniger als 50 Einwohner, sie liegt auf der felsigen Insel gleichen Namens vor der Küste Frankreichs im Ärmelkanal. Berühmt wurde die Insel durch das Benediktinerkloster, das auf ihr erbaut wurde und das die gesamte Insel beherrscht. Bis heute leben und arbeiten zirka ein Dutzend Benediktinermönche. Zirka 3,5 Millionen Touristen kommen jedes Jahr und langsam wird der Mont-Saint-Michel auch wieder zu einem Pilgerort, der mit dem Jakobsweg in Verbindung steht. Sowohl der Berg als auch die dazugehörige Bucht gehört seit Ende der 1970er Jahre zum UNESCO-Weltkulturerbe. Ein außergewöhnliches Bauwerk, das schon viele Frankreich-Urlauber beeindruckt hat.
Wechselvolle Geschichte des Bergs
Früher wurde die Insel Mont-Tombe genannt, weil der Hügel einem Grab ähnelte. Der Legende nach erschien im 8. Jahrhundert dem Bischof Aubert von Avranches der Erzengel Gabriel und gab ihm den Auftrag, eine Kirche auf dem Mont-Tombe zu errichten. Doch der Bischof kam diesem Wunsch nicht nach, woraufhin der Engel ihm ein Loch in den Schädel brannte und so wurde der Bau endlich begonnen. Im 10. Jahrhundert kamen die Normannen und besetzten die Insel, die einen wichtigen Punkt an der Grenze zur Bretagne darstellte. Sie erbauten die erste Kirche und nachdem die Insel den Raubzügen der Wikinger widerstanden, kam eine Gruppe von Benediktinermönchen, die schließlich das Kloster gründeten. Von Herzögen und Königen finanziert, dauerte der Bau der Anlagen bis ins 16. Jahrhundert. Im 12. Jahrhundert war der Mont-Saint-Michel ein Ziel vieler Pilgerreisenden. Das Kloster war sehr einflussreich und hatte viel Macht und so folgten die Gründungen vieler Tochterabteien wie beispielsweise der St. Michaels Mount im britischen Cornwall. Nach der Blütezeit des Klosters folgte nach dem Hundertjährigen Krieg der Niedergang. Zunächst gab es eine jahrelange Belagerung durch die Engländer, die jedoch abgewehrt werden konnte, obwohl die Region litt. Der Strom der Pilger riss dennoch nicht ab. Hervorzuheben sind die Kinderwallfahrten aus Deutschland, die um die Mitte des 15. Jahrhunderts stattfanden. So pilgerten in einem Jahr nur aus der süddeutschen Reichsstadt Schwäbisch Hall etwa 100 Jungen zum Mont-Saint-Michel.
Beliebtes Pilgerziel in Frankreich
Dennoch: Der Niedergang des Klosters war eingeläutet. Mit der Reformation und anderen Geschehnissen, die die Neuzeit mit sich brachte, fing es immer weiter bergab und Ende des 18. Jahrhunderts verließen die Benediktiner das Kloster schließlich. Zur Zeit der Französischen Revolution war der Mont-Saint-Michel ein Gefängnis und teilweise saßen hier bis zu 18.000 Häftlinge ein. Als Pilgerort war die Insel nicht mehr von Bedeutung, die Bauten waren dem Zerfall anheim gegeben und die Bevölkerung verarmt. Der französische Schriftsteller Victor Hugo rief schließlich eine Bewegung ins Leben, die sich für den Erhalt und die Wiederherstellung des Mont-Saint-Michel einsetzte. Das Gefängnis wurde geschlossen und Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Mont zum nationalen Denkmal, das in der Folge restauriert wurde. Erst ab den 1960er Jahren kehrten die Benediktinermönche zurück und der Mont-Saint-Michel ist heute ein beliebtes Ziel für Frankreich-Urlauber. Obwohl die Insel nicht mehr offiziell zur Bretagne gehört, ist es dennoch ein Ziel vor Allem für Bretagne-Touristen, die einen Blick auf dieses eindrucksvolle Bauwerk der Klosterbaukunst werfen wollen, das je nach Wasserstand ein völlig neues Bild abgibt.
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